Archäologischer Park - Erhalt des Bodendenkmals durch Eigentumsregelung an Grund und Boden im Bodenordnungsverfahren Freyenstein

Luftbild Park Freyenstein Luftbild ©Joachim Wacker, BLDAM

Ausgangslage

Im nordwestlichen Brandenburg - unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg - liegt das kleine Städtchen Freyenstein (Landkreis Ostprignitz-Ruppin). Zuerst 1263 erwähnt, aber wohl schon im frühen 13. Jahrhundert gegründet, war die Stadt häufig Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen. Mehrmals wurde sie zerstört und brannte ab. Für das Jahr 1287 ist die Verlegung und Neugründung der Stadt urkundlich belegt.

Die Stadtwüstung Freyenstein zählt zu den bedeutendsten archäologischen Bodendenkmälern dieser Art in Mitteleuropa und ist zugleich mit 25 Hektar das größte Bodendenkmal des Landes Brandenburg. Seit Mitte der 80er Jahre ist die Stadtwüstung Freyenstein Gegenstand archäologischer Forschung.

Schon im Rahmen der Vorarbeiten zum Bodenordnungsverfahren Freyenstein im Jahr 2002 wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege und der Stadt Freyenstein der Wunsch geäußert, die Fläche der Stadtwüstung im Rahmen des geplanten Bodenordnungsverfahrens durch Flächentausch in kommunales Eigentum zu überführen. Begründet wurde dieses Ansinnen mit einer schleichenden aber permanenten Gefährdung des Bodendenkmals durch die ackerbauliche Nutzung. Aus denkmalpflegerischer Sicht bestand das Ziel in der Erhaltung der Wüstung als bedeutendes kulturelles Erbe. Für die Kommune stand die touristische Nutzung dieses herausragenden Bodendenkmals als sogenannter Archäologischer Park im Vordergrund.


Maßnahmen der Landentwicklung, des Denkmalschutze und des Tourismus

Großer Vorteil für die Akzeptanz vor Ort war ein begleitendes Bodenordnungsverfahren. Das Bodenordnungsverfahren Freyenstein wurde am 24.03.2003 auf der Grundlage des § 56 Landwirtschaftsanpassungsgesetz in Verbindung mit § 86 Flurbereinigungsgesetz auf einer Fläche von 2.801 Hektar angeordnet. Ziel des Verfahrens ist neben der Wiederherstellung der Einheit von natürlichen und topografischen Grenzen mit den Eigentumsgrenzen, der Zusammenlegung von Splitterbesitz und Schaffung arrondierter Bewirtschaftungseinheiten und der Verbesserung der Agrarstruktur auch die Unterstützung des Tourismuskonzeptes in der Region Freyenstein.

Altbestand vor der BodenordnungNeues Fenster: Bild vergrößernAltbestand ©vlf BrandenburgVor diesem Hintergrund verfolgte die Stadt Wittstock im Rahmen des Bodenordnungsverfahrens  kontinuierlich die Sicherung der Flächenverfügbarkeit für das Gesamtvorhaben „Archäologischer Park Freyenstein“.

Mit Blick auf die Zielstellung fanden innerhalb des Bodenordnungsverfahrens schon frühzeitig Abstimmungen mit den betroffenen Grundstückseigentümern, deren Flurstücke im Bereich des Flächendenkmals liegen, statt. Zum Zeitpunkt der Anordnung des Bodenordnungsverfahrens standen lediglich 8,7 Hektar der Flächen im Bereich des Archäologischen Parks im Eigentum der öffentlichen Hand, im Ergebnis der Bodenordnung sind es 20,36 Hektar.

Neubestand nach der BodenordnungNeues Fenster: Bild vergrößernNeubestand ©vlf BrandenburgDie Flächenaufbringung konnte durch Erklärungen zum Landverzicht nach § 52 Flurbereinigungsgesetz in Verbindung mit § 58 Absatz 2 Landwirtschaftsanpassungsgesetz aber auch durch die Bereitschaft von Eigentümern zur wertgleichen Abfindung in anderer Lage - obwohl im Bereich der Stadtwüstung der qualitativ hochwertigste Boden im Verfahrensgebiet liegt – realisiert werden.

Aus den ehemals 20 Flurstücken im Altbestand wurden im Zuge des Verfahrens 4 Flurstücke gebildet, die nach Erlass der Ausführungsanordnung in das Eigentum der Stadt Wittstock übergehen werden.

 

Ergebnisse der Zusammenarbeit von Flurneuordnung, ländlicher Entwicklung, Kommune und Denkmalschutz

Das Instrument der ländlichen Neuordnung hat sich zur Konfliktbewältigung zwischen privaten Landnutzern, der Kommune und dem Denkmalschutz bewährt.

Mit Blick auf das Ergebnis des Bodenordnungsverfahrens Freyenstein und hier insbesondere die künftigen Eigentumsverhältnisse im Archäologischen Park wurden in Abstimmung mit der Flurbereinigungsbehörde im Rahmen der Ländlichen Entwicklung schon vor Eintritts des neuen Rechtszustandes der Stadt Wittstock Fördermittel zur Errichtung des Archäologischen Parks Freyenstein als touristischer Anziehungspunkt mit hohem Erlebniswert gewährt.

Zwischen 2006 und 2015 wurden Ausstellungs- und Informationsflächen sowie ein akustisches Führungssystem zum Thema Bodendenkmale geschaffen, es fanden Freilegungen und Visualisierungen der mittelalterlichen Burg- und Stadtanlage, z. B. hinsichtlich Kellergrundrissen oder Burggraben statt.

Im Umfeld des Archäologischen Parks wurde durch die Teilnehmergemeinschaft des Bodenordnungsverfahrens Freyenstein als Maßnahme aus dem Wege- und Gewässerplan nach § 41 Flurbereinigungsgesetz der Warnsdorfer Weg erneuert. Der Ausbau fand im Bereich der Stadtwüstung unter Beachtung denkmalschützerischer Aspekte mit Natursteinpflasterung statt.

Stand des Bodenordnungsverfahrens

Der Bodenordnungsplan zum Bodenordnungsverfahren Freyenstein wurde am 01.10.2015 genehmigt und im Dezember 2015 offengelegt. Die im Rahmen der Anhörung eingelegten Widersprüche wurden zwischenzeitlich verhandelt. Die Ergebnisse werden Bestandteil des 1. Nachtrages zum Bodenordnungsplan. Nach derzeitigen Planungen soll die vorzeitige Ausführungsanordnung (Eintritt des neuen Rechtszustandes außerhalb des Grundbuches) im Frühjahr 2017 erlassen werden.

Insgesamt ist festzustellen, dass die 347 Teilnehmer des Verfahrens mit der Neuordnung und hier insbesondere mit der Anpassung der Flurstücke an die vorgefundene Topographie ihre ehemals im Altbestand befindlichen 1.980 Flurstücke zu insgesamt 712 Flurstücken überaus  zufrieden sind. Neben der Bevölkerung vor Ort profitieren insbesondere die 19 im Verfahrensgebiet im Haupt- und Nebenerwerb wirtschaftenden Landwirte vom Ausbau 11 ländlicher Wege mit einer Gesamtlänge von 10,13 Kilometern. In den Ausbau dieser Wege sind rund 1,48 Millionen Euro Fördermittel von Land, Bund und Europäischer Union geflossen. 

Letzte Aktualisierung: 28.08.2017

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung
Prenzlau

Bodenordnung
Matthias Benthin
email an: Matthias Benthin
Tel:  03984 / 7187 42
Fax: 03984 / 7187 77

Adressen:
Dienstsitze der Abteilung Landentwicklung und Flurneuordnung


Externe Links

Informationen des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) :