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Freilandhaltung von Mutterkühen im Winter

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Standortwahl und Reparatur der Grünlandnarben

Die winterliche Freilandhaltung von Mutterkühen hat nach anfänglicher Skepsis und nach Überwindung etlicher Vorurteile in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ausschlaggebend für diese Haltungsform ist in erster Linie der Zwang zur Kostenreduzierung.

Angesichts unzureichender Eigenkapitalausstattung und der geringen ökonomischen Tragfähigkeit der Mutterkuhhaltung stellt die winterliche Freilandhaltung eine kapitalsparende und kostengünstige Alternative zur Stallhaltung dar. Bei Einhaltung der "guten fachlichen Praxis" werden Tierleistung und Tiergesundheit keineswegs negativ beeinflusst und Umweltbelastungen können weitgehend vermieden werden.

Standortwahl des Betreuungsbereiches

Bei der Auswahl eines geeigneten Betreuungsbereiches sind Flächenausstattung, Bodenverhältnisse und das Fütterungsregime von zentraler Bedeutung. Der Betreuungsbereich als solcher umfasst den Futter-, Tränk- und Liegebereich der Tiere sowie weitere Flächen zum Auslauf. Er ist somit der Arbeitsplatz des Mutterkuhhalters und Hauptaufenthaltsort der Tiere im Winter und hat vielfältigen Ansprüchen zu genügen. Aus Sicht des Tierhalters muss er so konzipiert sein, dass alle Arbeiten wie Fütterung, Einstreuen, Tränkwasserversorgung und Tierbetreuung rationell erledigt werden können. Außerdem muss er, ungeachtet sachgemäßer Fütterung und Tränkwasserversorgung, zur Sicherung der Tiergesundheit und Leistungsbereitschaft ein gewisses Maß an Tierkomfort bieten. Als Winter-Standorte für den Betreuungsbereich kommen in Betracht:

  • Hofflächen
  • Ackerland
  • Grünland (Weiden).

Hofflächen, wenn ausreichend dimensioniert und möglichst noch in Nähe von Milchviehställen, gelten als optimale Standorte. Sie sind effektiv zu bewirtschaften und können mit wenig Aufwand hohen Tierkomfort bieten.

Vorhandene Tränkwasserversorgungsanlagen können in Verbindung mit frostsicheren Tränken genutzt werden und falls die Flächen sogar noch betoniert sind, ist eine umweltfreundliche Entsorgung von Jauche und Niederschlagswasser in Auffangbecken (Güllebehälter) gewährleistet. Einfache Überdachungen oder angrenzende Gebäude dienen oft als Schutz vor extremen Wetter. Ein Fressgitter mit Futtertisch minimiert Futterverluste und gestattet einfache Manipulationen am Tier.

Fütterung

Die Fütterung erfolgt mit der vor Ort vorhandenen Technik. Restfutter aus dem Milchviehbestand kann auf kurzem Wege noch verwertet werden. Bei täglicher Futtervorlage ist ein möglichst enges Tier-Fressplatz-Verhältnis (TFV) von 2 zu 1 anzustreben. Bei Vorratsfütterung mit Heu oder auch Silage für mehrere Tage kann das TFV auf 5 zu 1 oder unter Umständen noch weiter ausgedehnt werden. Gleiche Verhältnisse gelten auch für die Konservatfütterung auf Acker- und Grünlandstandorten. Infolge des geringeren Platzangebotes, 10 bis 15 Quadratmeter je Tier genügen, sind höhere Strohmengen zum Einstreuen erforderlich. In der Praxis wird in der Regel nach "Sicht" eingestreut, bei trockenem Wetter weniger und bei nassem mehr. Durchschnittlich kann man bei dieser "entschärften Ferchhaltung" wohl mit etwa 5 bis 7 Kilogramm Stroh pro Tier und Tag kalkulieren.

Die Einbeziehung der "Winterweide" als zusätzliche Futterquelle wird aus territorialer Sicht allerdings bei dieser Variante nur selten möglich sein.

Selbstverständlich können auch Ackerflächen und Grünland als Winterstandort für den Betreuungsbereich herangezogen werden.

Winterstandorte

Ackerflächen, die zweckmäßig eingebunden werden können, sind Grünlandstandorten vorzuziehen. Futterreste und Stroheinstreu müssen im Frühjahr nur verteilt und untergepflügt werden. Die Exkrementnährstoffe sind von der nachfolgenden Kultur nutzbar. Ein systematischer Wechsel des Futterplatzes minimiert hier lokale Nährstoffeinträge und Grünland als potentielle Futterquelle wird geschont.

Grünland sollte nur in Ausnahmefällen, beziehungsweise wenn keine andere Möglichkeit besteht, als Winterstandort für den Betreuungsbereich genutzt werden. Auf den stark frequentierten Flächen des Betreuungsbereiches sind partielle Narbenschäden mit anschließender Entartung der Pflanzenbestände nicht zu vermeiden.

Futterplätze sind hier nicht systematisch, sondern nur bei Bedarf zu versetzen, um den Anteil geschädigten Grünlandes zu minimieren. Die Beräumung der Flächen von Futterresten und Einstreu erfolgt im zeitigen Frühjahr. Schleppen, Walzen und Reparatur (Nachsaat) der geschädigten Bereiche erfordern einen zusätzlichen Aufwand. Die Nutzung stallferner Acker- und Grünlandstandorte setzt allerdings einige Anforderungen voraus und ist gewöhnlich mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden.

Zufahrtswege

Sichere Zufahrtswege sind unumgänglich, befestigte Zufahrten sind bei ständiger Nutzung des gleichen Betreuungsbereiches zweckmäßig. Der Betreuungsbereich muss praktisch jederzeit auch mit schwerer Technik erreichbar sein. Trockene Standorte sind in erster Linie von der Bodenart abhängig. Grundwasserferne Mineralböden und gut meliorierte Anmoore mit Sanddurchragungen sind am ehesten geeignet. Mit zunehmender "Schwere" der Böden nimmt die Standorteignung ab. Niedermoore und Böden mit stauender Nässe sind für einen Winterstandort nicht geeignet, können aber bei gefrorenem Boden kurzzeitig mit einbezogen werden. Anhöhen und Kuppen sind unbedingt mit zu nutzen, weil sie nach Niederschlägen schnell wieder abtrocknen. Niveauunterschiede von 10 Zentimeter zeigen schon diesbezüglich große Effekte.

Schutz vor Witterungsunbilden, insbesondere vor nasskaltem und windigem Wetter, ist zu gewährleisten. Windgeschützte Lagen mit natürlichem Baumbestand (Waldränder) und Hecken sind schon ausreichend. Vorhandene bauliche Einrichtungen sind als Wetterschutz mit einzubeziehen, teure Neubauten aber deswegen nicht erforderlich.

Größe des Betreuungsbereiches

Die Größe des Betreuungsbereiches ist in Abhängigkeit von der Herdengröße so zu bemessen, dass die Tiere ihre natürlichen artgerechten Verhaltensweisen ausüben und "sich auch mal aus dem Wege" gehen können. Begründete Richtwerte oder "Faustzahlen" für den Platzbedarf je Kuh liegen nicht vor. Im Rahmen einer Befragung wurden in Brandenburger Betrieben Betreuungsbereiche von 1600 bis 8400 Quadratmeter, das sind rund 30 bis 210 Quadratmeter je Tier, in Abhängigkeit von der Herdengröße und dem Standort ermittelt. Natürlich sind die höheren Angaben als günstiger zu beurteilen, aber Mindestgrößen von rund 100 Quadratmeter je Kuh dürften auf günstigen Standorten als ausreichend gelten.

Zu berücksichtigen bei der Größenbemessung sind ferner ein mehrmaliger Wechsel des unmittelbaren Futterplatzes bei durchgetretenem Boden, der notwendige Platz für den Aufbau eines Fangkrales und ausreichende Wendemöglichkeiten bei der Futter- und Strohanfuhr.

Zwischen Futter-, Liege- und Tränkplatz sollten Mindestabstände von etwa 10 bis 20 Meter eingehalten werden, um eine unnötige Verschmutzung insbesondere des Tränkplatzes (Kot und Harn) und der Tränkeinrichtung (Futterreste) vorzubeugen.

Trockene Liegeplätze

Trockene Liegeplätze sind der gesamten Herde anzubieten, Heureste am Futterplatz reichen nicht aus. Pro Kuh sind etwa 3 bis 5 Quadratmeter, für ein Kalb ein Quadratmeter Liegefläche erforderlich. Ein gezielter Einstreu mit Stroh auf trockenem Untergrund und windgeschützter Lage schafft im Laufe der Zeit eine gegen Bodenkälte isolierende Strohmatratze, die außerdem Exkrementnährstoffe bindet. Viele Tiere liegen auch oft auf den Futterresten und in trockenen Erdmulden.

Die Einstreuhäufigkeit und -menge erfolgt nach Bedarf. Bei trockenem Wetter in größeren Abständen, bei nasser Witterung in kürzeren Intervallen, so dass die Liegeflächen trocken sind. Im Mittel der Winterperiode sind hierfür mindestens 3 Kilogramm Stroh je Tier und Tag einzuplanen. Auch hier gilt: etwas mehr kann nicht schaden.

Die Fütterung erfolgt bisher überwiegend mit Heu- oder Silageballen auf Vorrat für 2 bis 3 Tage in industriell gefertigten Raufen oder selbstgefertigten Futterhängern. Ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 5 zu 1 oder noch weiter ist unter diesen Bedingungen ausreichend. Bei täglicher Futtervorlage von Heu oder Silage im Schwad mit darüber gestelltem Elektrozaun sollten alle Tiere gleichzeitig fressen können.

Zusätzliche Aufwendungen

Zusätzliche Aufwendungen sind im Wesentlichen nötig für eine hütesichere Einzäunung, frostsichere Tränkeinrichtungen und sichere Fang- und Behandlungseinrichtungen.

Als Außenzaun für den Betreuungsbereich hat sich ein elektrifizierter 2-drähtiger Festzaun aus verzinkten Stahldrähten bewährt. Neben seiner "Abschreckwirkung" bietet er noch durch seine Festigkeit zusätzlich eine mechanische Hütewirkung.

Tränkwasser muss den Tieren auch im Winter jederzeit, ausreichend und in hygienisch unbedenklicher Qualität zur Verfügung stehen. Als "Faustzahl" für den Wasserbedarf kann man rund 5 Liter (einschließlich des im Futter enthaltenen Wassers) je Kilogramm Trockenmasse ansetzen. Bei einem Verzehr von 10 Kilogramm Trockenmasse Heu werden demnach etwa 50 Liter Tränkwasser je Tier und Tag erforderlich. Generell ist auf eine stationäre Tränkwasserversorgung zu orientieren. Dazu bieten sich, wenn in 7 Meter Tiefe Wasser verfügbar ist, Flachbrunnen mit eingebauter, beheizbarer Membranpumpe an. Eine Pumpe reicht für 50 Tiere. Frostsichere Ball- oder Klappentränken erfordern einen Elektroanschluss mit Wasserversorgungsanlage und Druckkessel sowie eine frostsicher verlegte Zuleitung. An einer Tränke mit 2 Öffnungen können etwa 100 Tiere versorgt werden.

Die Investitionskosten amortisieren sich schnell. Eine mobile Versorgung mit Traktor und Wasserwagen bindet dagegen täglich Arbeitskraft und Kosten und sie ist während längerer Frostperioden schwer realisierbar.

Sichere Fang- und Behandlungseinrichtungen mit den dazugehörigen Kral und Treibegang sind für notwendige Manipulationen am Tier (z.B. Bluten, Impfen, Trächtigkeitsuntersuchungen) unerlässlich. Der Kral sollte so groß bemessen sein, dass die gesamte Herde auf einmal eingetrieben werden kann. Im Handel erhältliche mobile Einrichtungen haben sich bewährt und können auf die Herdengröße abgestimmt werden. Ein langer Treibegang mit Rücklaufsperre erleichtert den Eintrieb. Stationäre Einrichtungen sind nur zweckmäßig, wenn der Betreuungsbereich in jedem Winter genutzt wird und weitere Herden rangetrieben werden können.

Reparatur von Narbenschäden auf dem Grünland

Wer seinen Betreuungsbereich wegen Mangel an besseren Standorten auf Weideflächen einrichten muss, hat mit Schäden an der Grünlandnarbe zu rechnen. Insbesondere bei hoher Bodenfeuchte, sehr hoher Besatzdichte und durch das Befahren zur Versorgung mit Futter und Tränkwasser kann die Schädigung ein solches Ausmaß erreichen, dass sie mit den üblichen Pflegemaßnahmen nicht mehr behoben werden kann.

Folgen sind:

  • auftretende Lückigkeit der Grasnarbe, Ertragsrückgang
  • Abnahme der wertvollen beziehungsweise Zunahme unerwünschter Pflanzenarten,
  • Rückgang der Tragfähigkeit (Trittfestigkeit) der Narbe und
  • eine sinkende Speicherfähigkeit der Narbe für die mit den Exkrementen ausgeschiedenen Nährstoffen

Diese negativen Folgen müssen behoben werden, denn es gehört auch zur guten fachlichen Praxis, dass geschädigte Grünlandnarben gezielt "repariert" werden.

Nachsaat von Weideflächen

Dafür bieten sich Nachsaaten und Neuansaaten an. Neuansaaten sind aber in der Regel auf dem extensiv und meist noch unter Auflagen bewirtschaftetem Grünland oft nicht zulässig.

Bei der Nachsaat muss man allerdings unterscheiden, ob Weideflächen oder der Betreuungsbereich repariert werden sollen, denn hinsichtlich ihres Nutzungszieles gibt es wesentliche Unterschiede.

Eine Nachsaat auf Weideflächen ist angezeigt, wenn aus pflanzenbaulicher Sicht

  • die Grünlandnarbe noch zu über 50 Prozent aus futterwirtschaftlich wertvollen Pflanzenarten und
  • unter 30 Prozent aus Quecke und Ungräsern besteht.

Bestimmendes Ziel ist hier die Erhaltung/Erhöhung der Ertragsfähigkeit und die Verbesserung der Futterqualität.

Geeignete Gräser

Für die Nachsaat kommen konkurrenzstarke Gräser, die eine schnelle Jugendentwicklung haben und sich in einer Altnarbe durchsetzen, in Frage. Die Nachsaatmischungen enthalten deshalb hauptsächlich Weidelgras, Wiesenschweidel und Weißklee. Mit zunehmender Lückigkeit der geschädigten Grünlandnarbe können unter feuchteren Bedingungen auch noch das Wiesenlieschgras und unter trockneren Bedingungen der Wiesenschwingel und das Knaulgras in die Nachsaatmischung integriert werden.

Geeignete Nachsaatmischungen für die jeweiligen Standortbedingungen werden von den zuständigen Länderdienststellen und Saatgutfirmen empfohlen. Bei einer Nachsaat im Frühjahr enthält der Boden noch genügend Feuchtigkeit, aber die Konkurrenzkraft der Altnarbe ist hoch und von Nachteil. Wichtig ist es deshalb, die Altnarbe immer kurz zu halten, damit sich die Nachsaat etablieren kann. Ein Erfolg ist meist erst im Folgejahr erkennbar.

Begrünung des Betreuungsbereiches

Die Fläche des Betreuungsbereiches wird während der Wintersaison besonders stark geschädigt. Die oberste Bodenschicht ist partiell stark durchgetreten und hat verstärkt Nährstoffe aus den Exkrementen der Weidetiere aufgenommen.

Wenn sich nun der Standort als optimal erweist, auf einer trockenen Sandkuppe liegt und in der folgenden Wintersaison wiederum als Betreuungsbereich verwendet und demzufolge voraussichtlich auch wieder geschädigt wird, ist es wenig sinnvoll zu versuchen teure Nachsaatmischungen zu etablieren, zumal auf den zur Trockenheit neigenden Sandkuppen die Nachsaaten ohnehin nur eine geringe Chance haben. Das Ziel kann unter diesen Umständen nur die Begrünung dieser Flächen sein. Die Nährstoffe aus den Exkrementen werden von den Pflanzen genutzt und so vor dem Austrag in tiefere Bodenschichten oder in das Grundwasser bewahrt.

Zur Begrünung kommen in Frage:

  • Mischungen aus kurzlebigen Weidelgräsern,
  • Grüngetreide oder deren
  • Gemische.

Die nachfolgenden Beispiele machen den großen Spielraum bei der Auswahl geeigneter Mischungen für die Begrünung von Betreuungsbereichen deutlich.

Mischungen für die Begrünung von Versorgungsbereichen (Kilogramm pro Hektar)

Kurzlebige Weidelgräser Grüngetreide-Weidelgras-Gemische Grüngetreide
Einjähriges Weidelgras 40 15 20 25
Welsches Weidelgras 30 40 20 30
Hafer 30 80
Sommergerste 90 120
Sommerroggen 180

Die Bodenvorbereitung beschränkt sich zumeist auf das Beräumen der Futter- und Einstreureste, Einebnung mit Grubber-Schleppe-Kombinationen oder der Kreiselegge. Walzen nach der Ansaat ist zweckmäßig.

Die Nachsaat muss so zeitig wie möglich erfolgen. Das gilt insbesondere für das Grüngetreide. Bei den Weidelgras-Mischungen ist der Anteil Einjährigen Weidelgrases um so höher zu bemessen, je später die Ansaat erfolgt. Bei Gelingen der Ansaaten und bei günstigen Wasserverhältnissen liefert der Bestand noch zusätzliches Weidefutter.

Zusammenfassung

Bei der Auswahl eines geeigneten Betreuungsbereiches für die winterliche Freilandhaltung lohnt eine gründliche Überlegung. Hofflächen sind dafür am ehesten geeignet. Erst danach sind stallferne Acker- oder Grünlandstandorte in Betracht zu ziehen. Ihre Nutzung ist mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden. Grünlandstandorte sind entsprechend der guten fachlichen Praxis bei Bedarf mit geeigneten Nachsaat-Verfahren und Mischungen wieder in Ordnung zu bringen.

Standortwahl und Reparatur der Grünlandnarben

Die winterliche Freilandhaltung von Mutterkühen hat nach anfänglicher Skepsis und nach Überwindung etlicher Vorurteile in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ausschlaggebend für diese Haltungsform ist in erster Linie der Zwang zur Kostenreduzierung.

Angesichts unzureichender Eigenkapitalausstattung und der geringen ökonomischen Tragfähigkeit der Mutterkuhhaltung stellt die winterliche Freilandhaltung eine kapitalsparende und kostengünstige Alternative zur Stallhaltung dar. Bei Einhaltung der "guten fachlichen Praxis" werden Tierleistung und Tiergesundheit keineswegs negativ beeinflusst und Umweltbelastungen können weitgehend vermieden werden.

Standortwahl des Betreuungsbereiches

Bei der Auswahl eines geeigneten Betreuungsbereiches sind Flächenausstattung, Bodenverhältnisse und das Fütterungsregime von zentraler Bedeutung. Der Betreuungsbereich als solcher umfasst den Futter-, Tränk- und Liegebereich der Tiere sowie weitere Flächen zum Auslauf. Er ist somit der Arbeitsplatz des Mutterkuhhalters und Hauptaufenthaltsort der Tiere im Winter und hat vielfältigen Ansprüchen zu genügen. Aus Sicht des Tierhalters muss er so konzipiert sein, dass alle Arbeiten wie Fütterung, Einstreuen, Tränkwasserversorgung und Tierbetreuung rationell erledigt werden können. Außerdem muss er, ungeachtet sachgemäßer Fütterung und Tränkwasserversorgung, zur Sicherung der Tiergesundheit und Leistungsbereitschaft ein gewisses Maß an Tierkomfort bieten. Als Winter-Standorte für den Betreuungsbereich kommen in Betracht:

  • Hofflächen
  • Ackerland
  • Grünland (Weiden).

Hofflächen, wenn ausreichend dimensioniert und möglichst noch in Nähe von Milchviehställen, gelten als optimale Standorte. Sie sind effektiv zu bewirtschaften und können mit wenig Aufwand hohen Tierkomfort bieten.

Vorhandene Tränkwasserversorgungsanlagen können in Verbindung mit frostsicheren Tränken genutzt werden und falls die Flächen sogar noch betoniert sind, ist eine umweltfreundliche Entsorgung von Jauche und Niederschlagswasser in Auffangbecken (Güllebehälter) gewährleistet. Einfache Überdachungen oder angrenzende Gebäude dienen oft als Schutz vor extremen Wetter. Ein Fressgitter mit Futtertisch minimiert Futterverluste und gestattet einfache Manipulationen am Tier.

Fütterung

Die Fütterung erfolgt mit der vor Ort vorhandenen Technik. Restfutter aus dem Milchviehbestand kann auf kurzem Wege noch verwertet werden. Bei täglicher Futtervorlage ist ein möglichst enges Tier-Fressplatz-Verhältnis (TFV) von 2 zu 1 anzustreben. Bei Vorratsfütterung mit Heu oder auch Silage für mehrere Tage kann das TFV auf 5 zu 1 oder unter Umständen noch weiter ausgedehnt werden. Gleiche Verhältnisse gelten auch für die Konservatfütterung auf Acker- und Grünlandstandorten. Infolge des geringeren Platzangebotes, 10 bis 15 Quadratmeter je Tier genügen, sind höhere Strohmengen zum Einstreuen erforderlich. In der Praxis wird in der Regel nach "Sicht" eingestreut, bei trockenem Wetter weniger und bei nassem mehr. Durchschnittlich kann man bei dieser "entschärften Ferchhaltung" wohl mit etwa 5 bis 7 Kilogramm Stroh pro Tier und Tag kalkulieren.

Die Einbeziehung der "Winterweide" als zusätzliche Futterquelle wird aus territorialer Sicht allerdings bei dieser Variante nur selten möglich sein.

Selbstverständlich können auch Ackerflächen und Grünland als Winterstandort für den Betreuungsbereich herangezogen werden.

Winterstandorte

Ackerflächen, die zweckmäßig eingebunden werden können, sind Grünlandstandorten vorzuziehen. Futterreste und Stroheinstreu müssen im Frühjahr nur verteilt und untergepflügt werden. Die Exkrementnährstoffe sind von der nachfolgenden Kultur nutzbar. Ein systematischer Wechsel des Futterplatzes minimiert hier lokale Nährstoffeinträge und Grünland als potentielle Futterquelle wird geschont.

Grünland sollte nur in Ausnahmefällen, beziehungsweise wenn keine andere Möglichkeit besteht, als Winterstandort für den Betreuungsbereich genutzt werden. Auf den stark frequentierten Flächen des Betreuungsbereiches sind partielle Narbenschäden mit anschließender Entartung der Pflanzenbestände nicht zu vermeiden.

Futterplätze sind hier nicht systematisch, sondern nur bei Bedarf zu versetzen, um den Anteil geschädigten Grünlandes zu minimieren. Die Beräumung der Flächen von Futterresten und Einstreu erfolgt im zeitigen Frühjahr. Schleppen, Walzen und Reparatur (Nachsaat) der geschädigten Bereiche erfordern einen zusätzlichen Aufwand. Die Nutzung stallferner Acker- und Grünlandstandorte setzt allerdings einige Anforderungen voraus und ist gewöhnlich mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden.

Zufahrtswege

Sichere Zufahrtswege sind unumgänglich, befestigte Zufahrten sind bei ständiger Nutzung des gleichen Betreuungsbereiches zweckmäßig. Der Betreuungsbereich muss praktisch jederzeit auch mit schwerer Technik erreichbar sein. Trockene Standorte sind in erster Linie von der Bodenart abhängig. Grundwasserferne Mineralböden und gut meliorierte Anmoore mit Sanddurchragungen sind am ehesten geeignet. Mit zunehmender "Schwere" der Böden nimmt die Standorteignung ab. Niedermoore und Böden mit stauender Nässe sind für einen Winterstandort nicht geeignet, können aber bei gefrorenem Boden kurzzeitig mit einbezogen werden. Anhöhen und Kuppen sind unbedingt mit zu nutzen, weil sie nach Niederschlägen schnell wieder abtrocknen. Niveauunterschiede von 10 Zentimeter zeigen schon diesbezüglich große Effekte.

Schutz vor Witterungsunbilden, insbesondere vor nasskaltem und windigem Wetter, ist zu gewährleisten. Windgeschützte Lagen mit natürlichem Baumbestand (Waldränder) und Hecken sind schon ausreichend. Vorhandene bauliche Einrichtungen sind als Wetterschutz mit einzubeziehen, teure Neubauten aber deswegen nicht erforderlich.

Größe des Betreuungsbereiches

Die Größe des Betreuungsbereiches ist in Abhängigkeit von der Herdengröße so zu bemessen, dass die Tiere ihre natürlichen artgerechten Verhaltensweisen ausüben und "sich auch mal aus dem Wege" gehen können. Begründete Richtwerte oder "Faustzahlen" für den Platzbedarf je Kuh liegen nicht vor. Im Rahmen einer Befragung wurden in Brandenburger Betrieben Betreuungsbereiche von 1600 bis 8400 Quadratmeter, das sind rund 30 bis 210 Quadratmeter je Tier, in Abhängigkeit von der Herdengröße und dem Standort ermittelt. Natürlich sind die höheren Angaben als günstiger zu beurteilen, aber Mindestgrößen von rund 100 Quadratmeter je Kuh dürften auf günstigen Standorten als ausreichend gelten.

Zu berücksichtigen bei der Größenbemessung sind ferner ein mehrmaliger Wechsel des unmittelbaren Futterplatzes bei durchgetretenem Boden, der notwendige Platz für den Aufbau eines Fangkrales und ausreichende Wendemöglichkeiten bei der Futter- und Strohanfuhr.

Zwischen Futter-, Liege- und Tränkplatz sollten Mindestabstände von etwa 10 bis 20 Meter eingehalten werden, um eine unnötige Verschmutzung insbesondere des Tränkplatzes (Kot und Harn) und der Tränkeinrichtung (Futterreste) vorzubeugen.

Trockene Liegeplätze

Trockene Liegeplätze sind der gesamten Herde anzubieten, Heureste am Futterplatz reichen nicht aus. Pro Kuh sind etwa 3 bis 5 Quadratmeter, für ein Kalb ein Quadratmeter Liegefläche erforderlich. Ein gezielter Einstreu mit Stroh auf trockenem Untergrund und windgeschützter Lage schafft im Laufe der Zeit eine gegen Bodenkälte isolierende Strohmatratze, die außerdem Exkrementnährstoffe bindet. Viele Tiere liegen auch oft auf den Futterresten und in trockenen Erdmulden.

Die Einstreuhäufigkeit und -menge erfolgt nach Bedarf. Bei trockenem Wetter in größeren Abständen, bei nasser Witterung in kürzeren Intervallen, so dass die Liegeflächen trocken sind. Im Mittel der Winterperiode sind hierfür mindestens 3 Kilogramm Stroh je Tier und Tag einzuplanen. Auch hier gilt: etwas mehr kann nicht schaden.

Die Fütterung erfolgt bisher überwiegend mit Heu- oder Silageballen auf Vorrat für 2 bis 3 Tage in industriell gefertigten Raufen oder selbstgefertigten Futterhängern. Ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 5 zu 1 oder noch weiter ist unter diesen Bedingungen ausreichend. Bei täglicher Futtervorlage von Heu oder Silage im Schwad mit darüber gestelltem Elektrozaun sollten alle Tiere gleichzeitig fressen können.

Zusätzliche Aufwendungen

Zusätzliche Aufwendungen sind im Wesentlichen nötig für eine hütesichere Einzäunung, frostsichere Tränkeinrichtungen und sichere Fang- und Behandlungseinrichtungen.

Als Außenzaun für den Betreuungsbereich hat sich ein elektrifizierter 2-drähtiger Festzaun aus verzinkten Stahldrähten bewährt. Neben seiner "Abschreckwirkung" bietet er noch durch seine Festigkeit zusätzlich eine mechanische Hütewirkung.

Tränkwasser muss den Tieren auch im Winter jederzeit, ausreichend und in hygienisch unbedenklicher Qualität zur Verfügung stehen. Als "Faustzahl" für den Wasserbedarf kann man rund 5 Liter (einschließlich des im Futter enthaltenen Wassers) je Kilogramm Trockenmasse ansetzen. Bei einem Verzehr von 10 Kilogramm Trockenmasse Heu werden demnach etwa 50 Liter Tränkwasser je Tier und Tag erforderlich. Generell ist auf eine stationäre Tränkwasserversorgung zu orientieren. Dazu bieten sich, wenn in 7 Meter Tiefe Wasser verfügbar ist, Flachbrunnen mit eingebauter, beheizbarer Membranpumpe an. Eine Pumpe reicht für 50 Tiere. Frostsichere Ball- oder Klappentränken erfordern einen Elektroanschluss mit Wasserversorgungsanlage und Druckkessel sowie eine frostsicher verlegte Zuleitung. An einer Tränke mit 2 Öffnungen können etwa 100 Tiere versorgt werden.

Die Investitionskosten amortisieren sich schnell. Eine mobile Versorgung mit Traktor und Wasserwagen bindet dagegen täglich Arbeitskraft und Kosten und sie ist während längerer Frostperioden schwer realisierbar.

Sichere Fang- und Behandlungseinrichtungen mit den dazugehörigen Kral und Treibegang sind für notwendige Manipulationen am Tier (z.B. Bluten, Impfen, Trächtigkeitsuntersuchungen) unerlässlich. Der Kral sollte so groß bemessen sein, dass die gesamte Herde auf einmal eingetrieben werden kann. Im Handel erhältliche mobile Einrichtungen haben sich bewährt und können auf die Herdengröße abgestimmt werden. Ein langer Treibegang mit Rücklaufsperre erleichtert den Eintrieb. Stationäre Einrichtungen sind nur zweckmäßig, wenn der Betreuungsbereich in jedem Winter genutzt wird und weitere Herden rangetrieben werden können.

Reparatur von Narbenschäden auf dem Grünland

Wer seinen Betreuungsbereich wegen Mangel an besseren Standorten auf Weideflächen einrichten muss, hat mit Schäden an der Grünlandnarbe zu rechnen. Insbesondere bei hoher Bodenfeuchte, sehr hoher Besatzdichte und durch das Befahren zur Versorgung mit Futter und Tränkwasser kann die Schädigung ein solches Ausmaß erreichen, dass sie mit den üblichen Pflegemaßnahmen nicht mehr behoben werden kann.

Folgen sind:

  • auftretende Lückigkeit der Grasnarbe, Ertragsrückgang
  • Abnahme der wertvollen beziehungsweise Zunahme unerwünschter Pflanzenarten,
  • Rückgang der Tragfähigkeit (Trittfestigkeit) der Narbe und
  • eine sinkende Speicherfähigkeit der Narbe für die mit den Exkrementen ausgeschiedenen Nährstoffen

Diese negativen Folgen müssen behoben werden, denn es gehört auch zur guten fachlichen Praxis, dass geschädigte Grünlandnarben gezielt "repariert" werden.

Nachsaat von Weideflächen

Dafür bieten sich Nachsaaten und Neuansaaten an. Neuansaaten sind aber in der Regel auf dem extensiv und meist noch unter Auflagen bewirtschaftetem Grünland oft nicht zulässig.

Bei der Nachsaat muss man allerdings unterscheiden, ob Weideflächen oder der Betreuungsbereich repariert werden sollen, denn hinsichtlich ihres Nutzungszieles gibt es wesentliche Unterschiede.

Eine Nachsaat auf Weideflächen ist angezeigt, wenn aus pflanzenbaulicher Sicht

  • die Grünlandnarbe noch zu über 50 Prozent aus futterwirtschaftlich wertvollen Pflanzenarten und
  • unter 30 Prozent aus Quecke und Ungräsern besteht.

Bestimmendes Ziel ist hier die Erhaltung/Erhöhung der Ertragsfähigkeit und die Verbesserung der Futterqualität.

Geeignete Gräser

Für die Nachsaat kommen konkurrenzstarke Gräser, die eine schnelle Jugendentwicklung haben und sich in einer Altnarbe durchsetzen, in Frage. Die Nachsaatmischungen enthalten deshalb hauptsächlich Weidelgras, Wiesenschweidel und Weißklee. Mit zunehmender Lückigkeit der geschädigten Grünlandnarbe können unter feuchteren Bedingungen auch noch das Wiesenlieschgras und unter trockneren Bedingungen der Wiesenschwingel und das Knaulgras in die Nachsaatmischung integriert werden.

Geeignete Nachsaatmischungen für die jeweiligen Standortbedingungen werden von den zuständigen Länderdienststellen und Saatgutfirmen empfohlen. Bei einer Nachsaat im Frühjahr enthält der Boden noch genügend Feuchtigkeit, aber die Konkurrenzkraft der Altnarbe ist hoch und von Nachteil. Wichtig ist es deshalb, die Altnarbe immer kurz zu halten, damit sich die Nachsaat etablieren kann. Ein Erfolg ist meist erst im Folgejahr erkennbar.

Begrünung des Betreuungsbereiches

Die Fläche des Betreuungsbereiches wird während der Wintersaison besonders stark geschädigt. Die oberste Bodenschicht ist partiell stark durchgetreten und hat verstärkt Nährstoffe aus den Exkrementen der Weidetiere aufgenommen.

Wenn sich nun der Standort als optimal erweist, auf einer trockenen Sandkuppe liegt und in der folgenden Wintersaison wiederum als Betreuungsbereich verwendet und demzufolge voraussichtlich auch wieder geschädigt wird, ist es wenig sinnvoll zu versuchen teure Nachsaatmischungen zu etablieren, zumal auf den zur Trockenheit neigenden Sandkuppen die Nachsaaten ohnehin nur eine geringe Chance haben. Das Ziel kann unter diesen Umständen nur die Begrünung dieser Flächen sein. Die Nährstoffe aus den Exkrementen werden von den Pflanzen genutzt und so vor dem Austrag in tiefere Bodenschichten oder in das Grundwasser bewahrt.

Zur Begrünung kommen in Frage:

  • Mischungen aus kurzlebigen Weidelgräsern,
  • Grüngetreide oder deren
  • Gemische.

Die nachfolgenden Beispiele machen den großen Spielraum bei der Auswahl geeigneter Mischungen für die Begrünung von Betreuungsbereichen deutlich.

Mischungen für die Begrünung von Versorgungsbereichen (Kilogramm pro Hektar)

Kurzlebige Weidelgräser Grüngetreide-Weidelgras-Gemische Grüngetreide
Einjähriges Weidelgras 40 15 20 25
Welsches Weidelgras 30 40 20 30
Hafer 30 80
Sommergerste 90 120
Sommerroggen 180

Die Bodenvorbereitung beschränkt sich zumeist auf das Beräumen der Futter- und Einstreureste, Einebnung mit Grubber-Schleppe-Kombinationen oder der Kreiselegge. Walzen nach der Ansaat ist zweckmäßig.

Die Nachsaat muss so zeitig wie möglich erfolgen. Das gilt insbesondere für das Grüngetreide. Bei den Weidelgras-Mischungen ist der Anteil Einjährigen Weidelgrases um so höher zu bemessen, je später die Ansaat erfolgt. Bei Gelingen der Ansaaten und bei günstigen Wasserverhältnissen liefert der Bestand noch zusätzliches Weidefutter.

Zusammenfassung

Bei der Auswahl eines geeigneten Betreuungsbereiches für die winterliche Freilandhaltung lohnt eine gründliche Überlegung. Hofflächen sind dafür am ehesten geeignet. Erst danach sind stallferne Acker- oder Grünlandstandorte in Betracht zu ziehen. Ihre Nutzung ist mit zusätzlichen Aufwendungen verbunden. Grünlandstandorte sind entsprechend der guten fachlichen Praxis bei Bedarf mit geeigneten Nachsaat-Verfahren und Mischungen wieder in Ordnung zu bringen.