Brandenburger Pilotprojekt zur Laicherbestandserhöhung beim Europäischen Aal im Einzugsgebiet der Elbe

drei Menschen am Ufer füllen Jungaale von einem Kübel der Waage in einen Kübel für den Transport in einem wartenden Kahn Aalbesatz im Schwielochsee © Ronald Menzel

In den Jahren 2006 bis 2011 haben Brandenburger Fischer und der Landesanglerverband insgesamt 12,8 Millionen Jungaale und 5,6 Millionen Glasaale in Gewässer des Einzugsgebietes der Elbe ausgesetzt. Notwendig sind die Besatzmaßnahmen, da seit Jahrzehnten ein Rückgang der Aalbestände zu verzeichnen ist. Das Pilotprojekt wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fischereifonds und des Landes Brandenburg gefördert. Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung, Fachgebiet Fischereiwesen, ist die Bewilligungsbehörde für diese Mittel.

Lebenszyklus

sieben Gramm schwere Jungaale im BehälterSieben Gramm schwere Jungaale © Ronald MenzelDer Europäische Aal ist ein hoch interessantes Ergebnis der Evolution. Das Laichgebiet liegt im westlichen Teil des Atlantischen Ozeans, in der Sargassosee, ein Meeresgebiet in Nähe der  Bahamas. Die Aale laichen nur einmal im Leben und verenden danach. Mit dem Golfstrom gelangen die auf Grund ihrer Körperform auch als Weidenblattlarven bezeichneten juvenilen Aale nach zwei bis drei Jahren an die Küsten des Europäischen Kontinents. Dort angekommen, wandeln sie sich zu ca. sieben Zentimeter langen Larven mit der typischen Aalform um. Da den Fischen in diesem Entwicklungsstadium weitgehend jede Pigmentierung fehlt, werden diese als Glasaale bezeichnet. Ein erheblicher Teil der kleinen Aale wandert nach der Anpassung an das Süßwasser in die Oberläufe der Flussgebiete, u a. auch in die Gewässer Brandenburgs. Nach sechs bis zehn Jahren begeben sich die geschlechtsreifen Aale zurück auf ihre letzte Reise zum Laichgebiet in der Sargassosee.

Bestandsentwicklung

Glasaaledichtgedrängt unter einem WasserstrahlGlasaale - 3.000 Stück wiegen ein Kilogramm © Ronald MenzelDas Glasaalaufkommen an den europäischen Küsten liegt heute nur noch bei ca. fünf bis zehn Prozent des vormaligen Niveaus. Wissenschaftler auf der ganzen Welt rätseln über die Ursachen. Vermutlich ist es eine Vielzahl von Einzelfaktoren, wie ozeanisch-klimatische Veränderungen, Gewässerverbau und -verschmutzung, Fraßdruck durch Kormorane sowie Krankheiten, die zu der geschilderten Entwicklung beitragen und folglich auch zu einem dramatischen Einbruch der Fischereierträge führen. Durch Querverbauungen vieler Fließgewässer ist den wenigen an den Flussmündungen ankommenden Aalen oftmals der Aufstieg in die Flüsse verwehrt. Hier kann vielfach nur noch ein Umsetzen der kleinen Aale helfen.

Pilotprojekt

Fischer setzt mittels Kescher Jungaale aus dem Kahn in ein Gewässer ausSchonend und mit viel Handarbeit erfolgt das Aussetzen der Aale © Ronald MenzelUm dem Abwärtstrend entgegen zu wirken, hat die Europäische Union eine Verordnung mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestands des Europäischen Aals (Verordnung 1100/2007) sowie ein befristetes Handelsverbot für Glasaale in Drittländer erlassen. Weiterhin wurden finanzielle Mittel zur Förderung von Besatzmaßnahmen bereit gestellt.

Brandenburger Fischer und der Landesanglerverband haben schnell reagiert, sich zusammengeschlossen und mit Unterstützung der obersten Fischereibehörde Brandenburgs ein länderübergreifendes Pilotprojekt zur Laicherbestandserhöhung des Europäischen Aals im Einzugsgebiet der Elbe initiiert. Ziel ist es, dass dem Aal die für ihn besonders geeigneten märkischen Gewässer auch weiterhin als Lebensraum erhalten bleiben und von hier möglichst viele ausgewachsene Aale die lange Reise zu den Laichgründen im Atlantik antreten können. Das reichliche Nahrungsangebot im weit verzweigten Netz von Havel, Spree und Dahme bietet den jungen Aalen alle nötigen Grundlagen.

Besetzt wurden die oben genannten Fließgewässersysteme einschließlich der verbundenen Seen mit einer Gesamtfläche von ca. 35.000 Hektar. Der Landesanglerverband und 65 fischereiliche Unternehmen haben mit ihrem Know-how die Besatzmaßnahmen durchgeführt. Der Besatz erfolgte mit Glasaalen (Stückgewicht:  0,3 Gramm) bzw. mit Jungaalen, die zuvor in einer Aalfarm unter optimalen Bedingungen auf die gewünschte Besatzgröße (7 Gramm) herangezogen wurden. Die Koordination, Organisation und finanzielle Abwicklung erfolgte durch die Fischereischutzgenossenschaft „Havel“ Brandenburg e.G.

Um eine Effizienzbewertung zu gewährleisten wird der Besatz durch das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow wissenschaftlich begleitet.

In den Jahren 2006 bis 2011 wurden in Brandenburg im Rahmen des Pilotprojektes Aale mit einem Wert von 5.217.000 Euro ausgesetzt. Die dafür vom LELF ausgezahlten Fördermittel betragen 4.174.000 Euro, davon sind 64 Prozent EU-Mittel. Als Eigenleistung haben die fischereilichen Unternehmen und der Landesanglerverband eine Summe von 1.043.000 Euro erbracht.  

Es ist beabsichtigt, das Projekt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel fortzusetzen.

 

 

Letzte Aktualisierung: 14.11.2012

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung
Frankfurt (Oder)

Fischereiwesen
Stefan Jurrmann
email an: Stefan Jurrmann
Tel:  0335 / 60676 2138
Fax:  0331 / 27548 4245