14. Brandenburger Ziegen- und Milchschaftag

Eindrucksvolle Präsentation von Betriebskonzepten auf dem 14. Brandenburger Ziegen- und Milchschaftag

Typisches Mutterschaft der Rasse "Lacaune" Typisches Mutterschaft der Rasse "Lacaune"

Erstmals fand die oben genannte Veranstaltung außerhalb Brandenburgs in der Nähe von Zerbst (Sachsen-Anhalt) statt. Günstig für die Programmgestaltung erwies sich der Umstand, dass hier die Gebrüder Arnold beziehungsweise Jan de Vries nahe beieinander jeweils einen Milchschafbetrieb beziehungsweise einen Milchziegenbetrieb bewirtschaften. Da es sehr viel zu besichtigen galt, wurde der Vortragsteil mit lediglich einem Beitrag vergleichsweise kurzgehalten.

Der Milchschafbetrieb JAARE wird von Arnold de Vries und Familie bewirtschaftet. Zeitweilig wird eine zusätzliche Arbeitskraft beschäftigt. Im Unterschied zu den meisten anderen Milchschafbetrieben in unserer Region kommen hier keine Ostfriesischen Milchschafe, sondern 250 Lacauneschafe zum Einsatz. Diese Rasse kommt aus Frankreich. Deren Milch wird dort zur Erzeugung des berühmten "Rockfort" verwendet.

Das Bewirtschaftungskonzept lässt sich wie folgt zusammenfassen:

KäsereiferaumKäsereiferaum Kontinuierliche Milcherzeugung – hierzu versetzte Ablammgruppen, jeweils 80 – 90 Mutterschafe laktierend, Milcherzeugung 220 Liter pro Mutterschaf und Jahr bei 7 Prozent Fett und 5,0 Prozent Eiweiß

  • Lämmer säugen zwei Monate – 1. Laktationsmonat 24 Stunden, 2. Laktationsmonat 12 Stunden an der Mutter, 3 Monate ausschließliches Melken,
  • Lediglich einmaliges Melken pro Tag,
  • Lämmer in einem Außenklimastall bei Kraftfutter auf 45 Kilogramm gemästet (Tageszunahmen bei 270 – 330 Gramm),
  • Ausschließliche Stallhaltung, Hauptfuttergrundlage Heulage höchster Qualität, Kraftfutter lediglich in Hochträchtigkeit und in erstem Laktationsmonat,
  • Milchverarbeitung von 30.000 Liter in der eigenen Hofkäserei, Absatz über Wiederverkäufer, Hofladen, sonstige Händler und Eventmärkte.

Jan und Arnold de VriesJan und Arnold de Vries (v.l.n.r.) Würden sich die Absatzmöglichkeiten verbessern, könnte über zweimaliges Melken und ein Frühabsetzen der Lämmer die Milchproduktion aus dem Stand heraus erhöht werden. Beim aktuellen Bewirtschaftungsregime kann sich Familie De Vries drei Wochen Urlaub organisieren.

Ebenfalls sehr eindrucksvoll war für die Teilnehmer am Nachmittag die Besichtigung des Milchziegenbetriebes von Jan de Vries. Es dürfte es sich um einen der größten Milchziegenbetriebe Deutschlands handeln.


Hier die wichtigsten Eckdaten zur Bewirtschaftung des Ziegenbetriebes:

  • 3.500 Ziegen der Rasse "Weiße Deutsche Edelziege", daraus 2.400 Melkende,
  • Fünf Vollarbeitskräfte, davon drei Angestellte,
  • Milchleistung (Erstlaktation) 1.200 -1.400 Liter pro Jahr bei 4 Prozent Fett und 3,5 Prozent Eiweiß,
  • Besonderheit: bis zu 8 Jahre durchmelkende Tiere, das heißt ohne zwischenzeitliche Neubelegung,
  • Milchgewinnung über 100’er Melkkarussel, zweimaliges Melken pro Tag,
  • Milchvermarktung ausschließlich über Molkerei ("Altenburger Ziegenkäse"),
  • Fütterung: Zur Zeit ausschließlich Kraftfutter zur freien Aufnahme und Stroh,
  • Einsatz von künstlicher Besamung (Frischsperma aus den Niederlanden, 80 Prozent Trächtigkeitsrate),
  • Bedeutender Zuchttierabsatz (Osteuropa, Österreich, Nordafrika),
  • Absatz männlicher Lämmer über Mäster in Frankreich.

Die vorgestellten Bewirtschaftungskonzepte berücksichtigten folgende Grundprinzipien:

  1. Kritische Einschätzung der technischen Produktionsabläufe unter den Aspekten Arbeitszeit- und Kosteneffizienz,
  2. Hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit hinsichtlich veränderter Markt- und Produktionsbedingungen,
  3. Ein hohes Maß an Optimismus und Bereitschaft zur Veränderung.

Hervorzuheben war in beiden Betrieben, dass die Tiere sich trotz der vielen  ungewohnten  Besucher sich völlig entspannt verhielten. Dies lässt auf ein gut durchdachtes, tierbezogenes Bewirtschaftungsregime schließen.

Ziegen im MelkkarussellZiegen im Melkkarussell mit 100 Plätzen und einem Durchsatz von ca. 500 Ziegen je Stunde bei einer Arbeitskraft


Als höchst interessant erwies sich nach der Mittagspause der Vortrag von Frau Ehmig zum Thema "Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie bei landwirtschaftlichen Nutztieren". Frau Ehmig betreibt in Brandenburg eine mobile Tierheilpraxis und hat entsprechende Erfahrungen im Umgang mit diesem Heilverfahren.

Die Homöopathie hat eine zweihundertjährige Geschichte. Die Funktionsmechanismen sind wissenschaftlich wenig aufgeklärt. Trotzdem sind entsprechende Therapien oft erfolgreich, auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren. Placeboeffekte sind bei Letzteren auszuschließen. Die Behandlung ist stets auf das Individuum abgestimmt. Deren Erfolg setzt viel Erfahrung des Anwenders voraus.

Die lebhaften Nachfragen und Diskussion belegten, dass die Homöopathie in den Reihen der Ziegen- und Milchschafhalter häufig zur Anwendung kommt und insbesondere für den Biobereich bedeutsam ist.

Den Vortrag können Sie als PDF-Datei unter
www.schafzuchtverband-berlin-brandenburg.de (Button Aktuelles/Ziegen- und Milchschaftag) herunterladen.

Unser besonderer Dank gilt Familie De Vries von der Schafmilchkäserei JAARE für die tolle Bewirtung und der Vorortorganisation der sehr gelungenen Veranstaltung.

Letzte Aktualisierung: 24.06.2019

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung
Groß Kreutz (Havel) 

Schaf- und Ziegenhaltung
Dr. Michael Jurkschat
email an: Michael Jurkschat
Tel:  033207 / 530 43
Fax: 033207 / 530 21