Obstbauversuchsstation

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Obstgehölze als lebende Ressource in der Agrarlandschaft, Basiselemente der natürlichen Stoffkreisläufe und Zeitzeugen des Klimawandels

Die in-situ Erhaltung der obstgenetischen Ressourcen geht weit über den Rahmen des Aufbaus einer Sammlung hinaus.

Durch die Kenntnis des Alters der Gehölze am natürlichen Standort, der Standortbedingungen am Fundstandort und der Sorten (Unterlagenkombination) wird es möglich, unter Berücksichtigung der Witterungsverläufe während der vergangenen 250 Jahre, Systeme zur Risikoabschätzung infolge des Klimawandels für den künftigen Obstanbau zu entwickeln.

Dendrochronologische Untersuchungen gestatten Wechselwirkungen von Standortfaktoren, Ertragsverhalten und Witterungseinflüssen aufzuzeigen. An den bis zu 250 jährigen Beständen können die Auswirkungen der Dauerkultur Obst auf die Veränderung der bodenchemischen und -physikalischen Eigenschaften, aber auch der mikrobiellen Besiedlung beschrieben werden. Die entstehende Muddeschicht durch Unterlassen der Bodenbearbeitung im Traufbereich der Gehölze über 2 ½ Jahrhunderte kann auf mehr als 30 cm Stärke anwachsen und gestattet, den natürlichen Auf- und Umbau der Bodenoberfläche nahen Bodenschichten zu beschreiben.

Wer den landschaftsprägenden Obstbau erhalten und einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität im ländlichen Raum leisten will, benötigt Sorten-Unterlagen-Kombinationen mit einer nachgewiesenen Vitalität und Langlebigkeit, welche bei Eintritt in die Ertragsphase große Mengen an Blüten und später dann Früchten liefern.

Neben dem Fruchtertrag liegt der Hauptwert der Gehölze in dem Gebrauchswert der von ihnen gestalteten Mikrohabitate. Sie bieten als Basiselemente über viele Jahrzehnte Nahrung, Schutz und Siedlungsraum für Folgegesellschaften, ca. 5000 Arten. Obstgehölze üben heute in der offenen Agrarlandschaft Biotopverbundfunktionen aus, da sie Rückzugsnischen für gefährdete und im Bestand stark gefährdete Arten darstellen und eine Re-Invasion im positiven Sinne mit Standort bürtigen Arten ermöglichen. Angesichts des Verlustes von ca. 75 % der lebenden Biomasse in Form von Insekten und Spinnentieren in den Agrarräumen während der vergangenen 30 Jahre, steigt die Bedeutung dieser Rückzugsrefugien.

Viele, traditionell überlieferte Verwertungszwecke des Obstes sind an die Verwendung der alten, ursprünglich im Anbau befindlichen Sorten gebunden.

ApfelbaumApfelbaum © LELFBeispiele für den Nachweis historischer Apfelsorten aus dem frühen 19. Jahrhundert sind: Borsdorfer Renette, Rotgestreifte Gelbe Schafsnase, Lothringer Rambour, Roter Pfundapfel, Schäfer Renette, Winterstreifling. Aus dem Zeitraum von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts stammen solche Sorten, wie Adamsapfel, Apfel aus Lunow, Batullen, Boiken, Citrinchen, Deutscher Grünling, Gelber Richard, Grüner Fürstenapfel, Gravensteiner, Grüner Winterstettiner, Hasenköppe, Käsappel, Kaschaker, Langer Grüner Gulderling, Mavasier, Ochsennase, Pförtner, Sommerparmäne, Schafsnase, Schlesischer Lehmapfel, Schlesischer Rotborsdorfer, Weißer Winterstettiner und später dann: Antonowka, Adersleber Kalvill, Altländer Pfannkuchenapfel, Damason Renette, Dietzer Mandelrenette, Gelber Edelapfel, Goldparmänetypen, Görlitzer Nelkenapfel, Großer Rheinischer Bohnapfel, Johannes Böttner, Kaiser Wilhelm, Kanadarenette, Kaiser Alexander, Lady Sudeley, Landsberger Renette, Livländer Gravensteiner, Oberlausitzer Muskatrenette, Mother, Pontoise, Purpurroter Cousinot, Reders Goldrenette, Roter Astrachan, Roter Jungfernapfel, Zigeunerin und viele mehr.

Bei der Obstart Birne konnten nur wenige großfrüchtige Kultursorten den Polarwintern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts trotzen. Überlebt haben neben den sogenannten "Hawwerbirnen" (Haferbirnen), pomologisch nicht weiter benannte sehr kleinfrüchtige Birnen mit der Reifezeit ab Anfang Juli, einige Sommerbirnensorten, wie Gute Graue, Kleine Margaretenbirne, Kleine Petersbirne, Sommerblutbirne, Sommereierbirne, Sommermagdelene, Sommermuskateller, und Sommerzitronenbirne. Zu den widerstandsfähigen großfrüchtigen Sorten zählt die Wirtschaftssorte Kuhfuß, die in der Mark über 200 jährige Bäume mit eichenstarken Stämmen liefern kann.

Aus dem späten 18. Jahrhundert sind über den gesamten östlichen Landesteil, dem Altkreis Lebus bis in das Sternberger Land (östlich der Oder gelegen) hinein, die sogenannten Knöddel- oder Kniddelbirnen und Pflanzungen der echten Holzbirnen verbreitet. Bei den Kniddeln werden Süßkniddel von Blutkniddeln und den stark Gerbsäure haltigen Formen unterschieden. Bis heute haben sich alte Wechselpflanzungen von Kniddeln und Eichen in Hutungsstreifen (Schweinehutung) erhalten.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts beginnend, wurden Sorten wie Amanlis Butterbirne, Andenken an den Kongress, div. Bergamotten, Boscs Flaschenbirne, Gellerts Butterbirne, Gute Graue, Gute Luise, Köstliche von Charneu, Nouveau Poiteau, Pastorenbirne, Prinzessin Marianne, Solaner Butterbirne, aber auch edle Tafelbirnen wie Vereinsdechant oder Wirtschaftsbirnen wie Französischer und Deutscher Katzenkopf, Runde Bergamotte oder Senfbirne in Ortsrandlagen oder an Wirtschaftswegen gepflanzt.

In den Gärten der großen Güter und an den Hofstellen der Bauerngehöfte war die Vielfalt an Sorten weit größer. Hier waren es Sorten wie Alexander Lucas, Blumenbachs Butterbirne, Clapps Liebling, Clairgeau, Doppelte Phillipsbirne, Dr. Thiel, Diels Winterbutterbirne, Giffards Butterbirne, Gräfin von Paris, Le Lectier, Liegels Winterbutterbirne, Madame Favre, Madame Treyve, Madame Verte, Minister Dr. Lucius, Pitmaston, Präsident Drouard, Schönste Winterbirne, Triumph von Vienne, Williams Christ, Winternelis, mehrere Schmalzbirnen und viele mehr.

Letzte Aktualisierung: 15.08.2017

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung
Müncheberg

Obstbauversuchsstation
Dr. Hilmar Schwärzel
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