Bienenschutz bei Pflanzenschutzmaßnahmen beachten!

Hongbiene an KirschblütenHongbiene an Kirschblüten ©LELFDie Blüte vieler wichtiger Trachtpflanzen für die Honigbiene wie Raps und Obstkulturen hat begonnen oder steht unmittelbar bevor. Die Honigbiene ist als Bestäuberinsekt sehr bedeutsam und leistet – wie auch viele Wildbienenarten und Hummeln - hervorragende Dienste bei der Ertragsbildung der Kulturpflanzen. Jedoch sind jetzt auch viele Schadorganismen aktiv. Bei unumgänglichen Pflanzenschutzmaßnahmen während der Blüte von Kulturpflanzen ist dem Schutz der Honigbiene und anderer Blütenbesucher besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Auf chemische Pflanzenschutzmaßnahmen sollte während der Blüte der Kulturen nach Möglichkeit verzichtet werden. Unbedingt notwendige Anwendungen werden am besten außerhalb des täglichen Bienenfluges durchgeführt. Ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln während der Blüte von Kulturpflanzen unbedingt notwendig, z. B. gegen Monilia-Spitzendürre und –Blütenfäule in Steinobst, gegen Schorf in Kernobst oder gegen den Sclerotinia-Pilz in Raps, sind die Regelungen zum Bienenschutz konsequent einzuhalten. Diese gelten uneingeschränkt auch für Pflanzenschutzmittelanwendungen im Haus- und Kleingartenbereich.

Bienenschutz und Gute fachliche Praxis

Bienenbeuten in ObstplantageBienenbeuten in Obstplantage ©LELF Als bienengefährlich (B1) eingestufte Pflanzenschutzmittel dürfen niemals – auch nicht nachts – in blühende Pflanzenbestände ausgebracht werden. Auch ist sicherzustellen, dass blühende Unkräuter im Pflanzenbestand sowie blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen an Feldrändern, Hecken und anderen angrenzenden Bereichen nicht von solchen Pflanzenschutzmitteln getroffen werden. Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz, wie Vermeidung von Abdrift und Beachtung von Windgeschwindigkeit und Windrichtung beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln, sind zwingend einzuhalten. Auch Insektizide mit der Kennzeichnungsauflage NN410, die als bienenungefährlich (B4) eingestuft sind, können negative Auswirkungen auf andere Blütenbesucher haben, die empfindlicher als die Honigbiene reagieren. Ihre Anwendung in die Blüte sollte deshalb vermieden werden oder erst in den Abendstunden erfolgen.

Tankmischungen von Pflanzenschutzmitteln
Besondere Vorsicht ist bei Tankmischungen geboten! Tankmischungen mehrerer Insektizide, auch wenn sie einzeln als bienenungefährlich (B4) eingestuft sind, können wegen der sich addierenden Wirkung nicht als bienenungefährlich betrachtet werden. Auch Tankmischungen mit bestimmten Fungiziden können die Bienengefährlichkeit erhöhen! Unbedingt einzuhalten sind die Regelungen der Bienenschutzverordnung und die Gebrauchsanleitung der Pflanzenschutzmittel.

Vorsicht bei der Aussaat von Sommerkulturen mit gebeiztem Saatgut
Beim Einsatz von Saatgut, das mit Insektiziden gebeizt wurde, ist Abdrift von Beizstäuben unbedingt zu vermeiden. Auf die Verwendung entsprechender Aussaattechnik ist zu achten. Die Aussaat von mit bestimmten Pflanzenschutzmittelwirkstoffen aus der Gruppe der Neonicotinoide behandeltem Maissaatgut ist nach wie vor verboten! Ein entsprechendes Verbot gilt auch für weitere Kulturen wie Raps, einschließlich Sommerraps, und Getreidearten.

Vermeidung von Rückständen im Honig

BienenwabeBienewabe ©Maja Dumat(pixelio.de)In einigen Fällen wurden in den letzten Jahren Pflanzenschutzmittelrückstände in Honig gefunden. In Einzelfällen kam es zu Rückstandshöchstmengenüberschreitungen, sodass der Honig nicht mehr vermarktungsfähig war.
Im Raps sollten daher Acetamiprid-haltige Pflanzenschutzmittel (Mospilan SG, Danjiri) trotz Einstufung als bienenungefährlich (B4) nach Möglichkeit nur vor der Blüte eingesetzt werden. Bei Blütespritzungen im Raps sollten wo vorhanden Droplegdüsen zum Einsatz kommen, um einen direkten Kontakt mit der Blüte und damit auch blütenbesuchenden Insekten zu vermeiden.
Auch der Einsatz Glyphosat-haltiger Herbizide auf blühende Pflanzen sollte vermieden werden, wenn von Bienen als Massentracht angenommen werden könnten.

Kommunikation ist wichtig
Eine gute Kommunikation zwischen dem Landwirt oder Gärtner und den in der Umgebung wirtschaftenden Imkern gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das ist nicht nur im Sinne der Bienengesundheit und des Verbraucherschutzes, sondern auch als vertrauensbildende Maßnahme wünschenswert.

Letzte Aktualisierung: 06.04.2017

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung
Frankfurt (Oder)

Allgemeiner Pflanzenschutz
Dr. Jens Zimmer
email an Dr. Zimmer
Tel.: 0335 / 60676 2105
Fax: 0331 / 27548 3575