Sachverständigenwesen der Land- und Forstwirtschaft

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Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung ist  zuständige Stelle für die öffentliche Bestellung von Sachverständigen der Land- und Forstwirtschaft einschließlich des Gartenbaus, des Garten- und Landschaftsbaus und der Fischerei im Land Brandenburg. 

Sachverständige im Agrarbereich

Für welche Sachgebiete sind Sachverständige öffentlich bestellt und vereidigt?

Derzeit sind vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) 49 Sachverständige im Agrarbereich für insgesamt 32 verschiedene Fachgebiete öffentlich bestellt und vereidigt Paragraph ©Gerd Altmann, pixelio.deund aktuell im Sachverständigenverzeichnis auf den Internet-Seiten des LELF (Textbox rechte Seite: Anlagen) bzw. auch des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) veröffentlicht. Die Fachgebiete für die eine Bestellung und Vereidigung vorgenommen werden kann, sind entsprechend der im Land Brandenburg gültigen Verordnung über die Voraussetzungen für die Bestellung sowie über die Befugnisse und Verpflichtungen der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Land- und Forstwirtschaft einschließlich des Garten- und Weinbaus (Sachverständigenordnung - SVO) vom 20. Januar 2001 (GVBl. II S. 149) spezifisch definiert und mit den entsprechenden Tätigkeitsmerkmalen sowie einem umfangreichen Anforderungsprofil belegt.

Sie wollen sich als Sachverständiger im Agrarbereich öffentlich bestellen und vereidigen lassen?

Schreibtisch mit Ordnerstapel ©Claudia Hautumm, pixelio.deDas LELF ist gemäß § 1 Absatz 1 der Verordnung über die Voraussetzungen für die Bestellung sowie über die Befugnisse und Verpflichtungen der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Land- und Forstwirtschaft einschließlich des Garten- und Weinbaus (Sachverständigenordnung - SVO) vom 20. Januar 2001 (GVBl. II S. 149) die zuständige Stelle für die öffentliche Bestellung von Sachverständigen der Land- und Forstwirtschaft im Land Brandenburg und bestellt auf Antrag Sachverständige für Fachgebiete, die in der Anlage zur SVO aufgeführt sind, sofern ein allgemeines, öffentliches Bedürfnis und Interesse nach Sachverstand auf einem bestimmten Fachgebiet besteht, die besondere Sachkunde im Sinne von deutlich über dem Durchschnitt der Berufskollegen liegender Kenntnissen und Berufserfahrungen nachgewiesen werden kann und auch keine Bedenken gegen die persönliche Eignung bestehen.

Die jeweiligen Bestellungsvoraussetzungen sind im § 1 der SVO geregelt, das sind allgemein eine einschlägige Ausbildung und eine ausreichende Berufserfahrung (eine Altersbegrenzung gibt es nicht mehr). Bei Bewerbern, die in einem öffentlichen oder privaten Dienstverhältnis stehen, muss sichergestellt sein, dass die Ausübung der Sachverständigentätigkeit gestattet ist und dass die betreffenden Personen keinen fachlichen Weisungen des Arbeitgebers unterliegen. Die Sachverständigentätigkeit muss selbständig, unabhängig und neutral auszuführen sein und der Sachverständige darf in keinen materiellen oder sonstigen Abhängigkeitsverhältnissen stehen, welche seine Unparteilichkeit beeinträchtigen könnten.

Das LELF in Bildern ©LELFEin Ausbildungsweg für Sachverständige ist nicht gesetzlich vorgegeben. Personen, die sich für die Sachverständigentätigkeit interessieren, können sich das für diese Tätigkeit erforderliche Spezialwissen (Bewertungsmethoden, Gutachtenaufbau, Rechtsgrundlagen) in vorbereitenden Seminaren aneignen. Entsprechende Angebote gibt es vom Hauptverband der Landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen (www.hlbs.de), vom Institut für Sachverständigenwesen (www.ifsforum.de), vom Sachverständigen-Kuratorium (www.svkonline.de) und anderen anerkannten Stellen.

Angehenden Sachverständigen ist zu empfehlen, den Kontakt zu einem erfahrenen Sachverständigen zu suchen und einige Zeit mit ihm zusammenzuarbeiten. Dabei kann der Bewerber gemäß seiner Erfahrung einzelne Aufträge gemeinsam mit dem erfahrenen Kollegen oder aber auch mehr oder weniger selbständig ausführen.

Zusätzlich ist ein intensives Studium der einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Richtlinien sowie der entsprechenden Sachverständigenliteratur erforderlich.

Umfängliches Informationsmaterial, weitergehende spezifische Voraussetzungen auch zu den jeweiligen Bestellungsgebieten, Merkblätter zur öffentlichen Bestellung und Vereidigung sowie ergänzende Auskünfte über das Antrags- und Bestellungsverfahren können Sie direkt bei der zuständigen Mitarbeiterin des LELF erfragen.  

Was ist ein Sachverständiger oder ein Gutachter?

©Rainer Sturm / pixelio.deQualifizierte Sachverständige werden für zahlreiche Bewertungsfragen und für die Beurteilung in allen Bereichen der gesamten Land- und Forstwirtschaft, des Gartenbaues sowie der Fischerei benötigt. Die fachlichen Ansprüche zur Beurteilung spezieller und oft auch komplexer Fachfragestellungen setzen besonderes Wissen und umfassende Berufserfahrung voraus. 

Ein Sachverständiger ist eine unabhängige, unparteiische sowie integere Person, die auf einem oder mehreren bestimmten und eng abgegrenzten Sachgebieten über besondere Kenntnisse und Erfahrungen verfügt und diese Sachkunde anderen Personen oder Einrichtungen, Behörden einschließlich den Gerichten in der Regel gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Ein Sachverständiger sollte in der Lage sein, fachlich komplizierte Sachverhalte für den Laien verständlich und nachvollziehbar darzustellen und somit als Mittler zwischen der „Fachwelt“ und dem Laien zu fungieren.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter dem Begriff Gutachter häufig ebenfalls ein Sachverständiger verstanden, da der Sachverständige hauptsächlich Gutachten zu bestimmten Sachen oder Sachverhalten anfertigt. Der Sachverständige kann aber auch beratend tätig sein oder bestimmte Prüf- und Überwachungsaufgaben durchführen.

[[bild:5]]Die begutachtende Tätigkeit ist an keine Genehmigung oder Zulassung gebunden und steht jedermann ebenso frei wie die Führung der Bezeichnung „Gutachter“ oder „Sachverständiger“. Jeder, der sich am Gutachtenmarkt betätigen möchte, darf sich diesen Titel selbst verleihen und unterliegt keiner gesetzlich vorgeschriebenen Kontrolle einer Behörde, damit ist der Begriff „Sachverständiger“ in Deutschland nicht geschützt. Wie jeder Gewerbetreibende oder Freiberufler unterliegen aber alle sachverständig Tätigen den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften, wie z. B. dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG). Somit ist auch hier unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten darauf zu achten, dass die behaupteten besonderen Fachkenntnisse und Erfahrungen tatsächlich bestehen, dennoch ist es oftmals schwierig für den Verbraucher den passenden und richtigen Sachverständigen auszuwählen.  Ein Nachweis und Garant für eine entsprechende Qualifikation bietet eine öffentliche Bestellung und Vereidigung.

Was ist ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (öbvSV)?

Ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ist von einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung (Bestellungskörperschaft) auf gesetzlicher Grundlage bestellt und vereidigt worden. Die Bedeutung der Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen besteht darin, der Öffentlichkeit Sachverständige anzubieten, deren besondere Sachkunde erprobt und deren persönliche Zuverlässigkeit von einer Bestellungsbehörde überprüft und öffentlich anerkannt wurde. Die Bestellung ist somit keine Zulassung zur Tätigkeit des Sachverständigen, sie ist vielmehr eine öffentliche Eignungserklärung des Sachverständigen als qualifizierte Person, dessen gutachtliche Feststellungen auch von dem Vertragsgegner als objektiv und zuverlässig anerkannt werden können, ohne dass der Dritte sich zu Nachforschungen über Ruf und Eignung des Gutachters veranlasst sehen müsste.

Bestellungskörperschaften für Sachverständige im Agrarbereich sind nach Bundesländern verschiedentlich Landwirtschaftskammern, Ministerien und Fachbehörden der Bundesländer, wie im Land Brandenburg das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung oder auch Industrie- und Handelskammern wie auch Bezirksregierungen.

Bevor ein Sachverständiger öffentlich bestellt und vereidigt wird, muss er sich hinsichtlich seiner persönlichen Eignung und seiner besonderen Sachkunde einem anspruchsvollen Überprüfungsverfahren unterziehen. Schließlich hat der Sachverständige einen Eid zu leisten, wonach er seine Sachverständigentätigkeit unabhängig, weisungsfrei, persönlich und unparteiisch ausführt und seine Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen erstattet. Gerichte und Staatsanwaltschaften sollen nach den einschlägigen prozessualen Vorschriften vorwiegend öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige heranziehen und andere Personen nur dann beauftragen, wenn besondere Umstände dies erfordern.

Woran erkennt man einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen (öbvSV)?

Der öbvSV erhält von der zuständigen Bestellungskörperschaft eine Bestellungsurkunde, einen Sachverständigenausweis und einen Rundstempel. In den beiden Dokumenten ist jeweils genau angegeben, für welches Fachgebiet der Sachverständige öffentlich bestellt und vereidigt worden ist. Außerdem hat der Sachverständige im Rahmen seiner Sachverständigentätigkeit auf seine öffentliche Bestellung hinzuweisen (zum Beispiel im Internet oder im Briefkopf mit Benennung der Bestellungsbehörde sowie Angabe der vereidigten Fachgebiete) und seine Gutachten mit dem entsprechenden Rundstempel zu siegeln.  



Letzte Aktualisierung: 03.08.2016

Kontakt

Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft
und Flurneuordnung

Sachverständigenwesen
Kathleen Münch
Neue Chaussee 6
14550 Groß Kreutz

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Telefax: 033207 530-21